Katja Brößling zum Thema: Wann arbeitest Du eigentlich wieder?

Wann gehst Du endlich wieder arbeiten?

Mein Mann verdient gut – meinen unsere Nachbarn. Schließlich kann ich es mir leisten zu Hause zu bleiben. Und das, wo die Kinder doch schon groß sind.

Was sie alle nicht für voll nehmen ist, dass ich im Keller ein Büro habe, in das ich montags bis freitags immer pünktlich gehe und arbeite. Homeoffice – das ist doch keine richtige Arbeit.

Aber mal früher angefangen: Ich habe vier Wochen nach Abgabe meiner Diplomarbeit meinen Sohn zur Welt gebracht. Da war ich 24 und unheimlich glücklich. Mein Mann hatte eine befristete Stelle in Sachsen angefangen und vier Wochen nach der Geburt sind wir von Hannover nach Pirna gezogen. Natürlich suchte ich Anschluss bei einer Eltern-Kind-Gruppe. Dort wurde ich dann gleich aufgeklärt, dass ich meinen Sohn aber dringend in der Krippe anmelden müßte, wenn er denn mit einem Jahr einen Platz bekommen soll. Ich war ein wenig geschockt – auch wenn ich selbst in der damaligen DDR groß geworden bin und das Prozedere kenne. Ich wollte mein Kind nicht abgeben. Ich hatte doch damals noch Anspruch auf 24 Monate Erziehungsgeld. Außerdem hatte ich ja noch gar keinen Job, in den ich zurückgekonnt hätte. Ich mußte erstmal einen ganz neuen finden. Die Meinung, dass man doch auch ruhig die zwei Jahre ausnutzen könnte, um sein Kind aufwachsen zu sehen, fand bei den anderen Müttern keinen Anklang. Das führte dazu, dass ich doch etwas verunsichert war. Warum sollte ich mein Kind in die Krippe bringen (und das war nicht billig), wenn ich noch keinen Job hatte. Einen Job hätte ich aber nur mit Krippenplatz bekommen. Das Dilemma löste sich schnell auf: ich wurde schwanger. Und es kam noch besser. Nach der Geburt unserer Tochter zogen wir wieder nach Niedersachsen. Krippe? Was ist das denn?

Ich habe die ersten Jahre mit den Kindern genossen. Und mir fehlte auch keine Herausforderung. Und mich fragte hier keiner, wann ich endlich arbeiten gehen will. Mein Modell wurde so akzeptiert.

Als beide Kinder dann im Kindergarten waren, ging ich auf Jobsuche. Drei Jahre und einen weiteren Umzug habe ich gebraucht um eine Stelle zu finden. Plötzlich bin ich wieder täglich aus dem Haus gewesen, habe mich engagiert. Es war die richtige Zeit dafür.

Heute – nach noch einem Umzug – arbeite ich selbstständig, im Homeoffice. Doch als Arbeit anerkennen, will das so richtig keiner. “Arbeiten” bin ich für meine Familie nur, wenn ich zu Veranstaltungen oder Kunden fahre oder mich mit meiner Kollegin treffe. Mein Mann hat sein Büro ebenfalls im Haus. Das ist aber völlig in Ordnung und normal. Zumindest in den Augen der anderen. Ist mal nicht das Lieblingsteil gewaschen, stößt das auf Unverständnis: “Du warst doch den ganzen Tag zu Hause. Hättest du doch mal eben machen können.” Oder auch ein leerer Kühlschrank am Nachmittag ist unakzeptabel.

Weder die Hausarbeit, die nunmal eindeutig Arbeit ist und nicht Freizeitvergnügen, noch die eigene Leistung im Büro werden als Arbeit anerkannt und gewürdigt. Es heißt eben “arbeiten gehen” und da ich meistens bleibe, ist es wohl keine Arbeit.

Und obwohl uns immer wieder gesagt wird: Tu, was Du liebst!, heißt dass noch lange nicht, dass das Umfeld das auch akzeptiert.

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Ich halte es dann einfach mit den Ärzten: Lasse reden!

Zu meiner Person:

Katja Brößling, 40 Jahre jung, Mitgründerin von SHE works! und Mutter von zwei Pubertieren.Lebt seit dem letzten Umzug zwischen Bremerhaven und Cuxhaven an der Nordseeküste. Ich beschäftige mich berufsbedingt und auch privat viel mit den Themen Vereinbarkeit und der Situation von Frauen im Wirtschaftsgefüge.

 

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