Kerstin Hoffmann-Wagner.. wann arbeitest Du eigentlich wieder?

Wann gehst Du eigentlich wieder arbeiten?

Im Zuge dieses Gastbeitrags habe ich tatsächlich mal in Ruhe darüber nachgedacht, wann mir diese Frage eigentlich gestellt wurde und von wem. Häufiger gehört habe ich diese Frage in meinem letzten beruflichen Leben, als ich noch Angestellte war.

Vor fast 12 Jahren kam mein erster Sohn zur Welt. In meinem Job als Eventmanagerin befanden wir uns in der Firma in einer Phase der Umstrukturierung und einer meiner damaligen Vorgesetzten fragte mich, wann ich nach der Geburt wieder arbeiten wollte. Auf meine Antwort, ich wolle 1,5 Jahre Elternzeit nehmen und dann wieder in den Job einsteigen, sagte er mir klipp und klar ins Gesicht: „Wenn Sie Elternzeit nehmen, ist ihr Job weg“. Ich nahm trotzdem wie geplant meine Elternzeit. Nach 1,5 Jahren konnte ich tatsächlich als Projektleiterin zurückkehren, sogar in Teilzeit. Ich war wieder da, der besagte Vorgesetzte nicht mehr…

Auch nach der Geburt meines zweiten Sohnes 5 Jahre später blieb ich wieder knapp 1,5 Jahre zu Hause und mir wurde in dieser Zeit häufiger die Frage gestellt, wann ich wieder arbeiten gehe.

Zum einen von jüngere Kolleginnen, die mal „checken“ wollten, wie man das so macht mit der Elternzeit, ob der Job dann gesichert ist, wie lange man pausieren kann usw. Zum anderen gab es aber auch andere Mütter, die darin scheinbar so etwas wie einen Wettbewerb sahen: wer schafft es wohl schneller, im Job wieder erfolgreich zu sein?

Vor fast vier Jahren kündigte ich dann und machte mich selbständig. Heute arbeite ich als Eventconsultant und Trainer (www.hoffmannevent.de) und organisiere nicht mehr selbst die Veranstaltungen. Ich berate andere Eventplaner als strategischer Partner bei ihrer Arbeit. Dadurch bin ich viel flexibler geworden, was die Verbindung von Familie und Beruf angeht. Das liegt vor allem daran, dass ich überwiegend im Homeoffice arbeite und entweder beim Kunden vor Ort bin oder mich bei Bedarf in Co-Working-Zentren einbuche.

Interessanterweise habe ich die Frage, wann ich wieder arbeiten gehe, in dieser Phase nicht mehr gestellt bekommen. Es wird aber durchaus skeptisch geschaut, wenn ich erwähne, dass ich im Homeoffice arbeite. Denn das ist vielen Menschen als Arbeitsform noch immer suspekt. Mit „Arbeiten gehen“ ist überwiegend noch immer das „morgens gut gekleidet aus dem Hause gehen und zu einer Arbeitsstelle fahren“ gemeint. Auch bei meinen eigenen Kindern überwiegt mitunter noch immer diese Einstellung, denn sie kennen das ja noch aus meinem „früheren Leben“.

Um ihnen zu zeigen, dass ich einen ganz normalen Job habe, nur eben vorwiegend in meinem heimischen Arbeitszimmer, erzähle ich meiner Familie einfach immer wieder von meiner Arbeit – was beschäftigt mich gerade, warum freue ich mich gerade über eine Nachricht, warum muss ich mich abends nochmal an den Computer setzen und schreiben… So bekommen sie ein Gefühl dafür, dass Arbeit nicht nur in verglasten Bürogebäuden stattfindet.

Zu Beginn meiner Selbständigkeit haben mich die skeptischen Reaktionen etwas gestört und ich fühlte mich nicht ernstgenommen. Mittlerweile höre ich über solche Zwischentöne hinweg, denn ich bin in meinem Beruf angekommen, fühle mich in diesem Modell sehr wohl und habe Erfolg damit.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es in Zukunft normal sein wird, an unterschiedlichen Orten zu arbeiten. Die Gesellschaft braucht allerdings eine gewisse Zeit, um solche Veränderungen zu akzeptieren. Wir sollten generell lernen, offener gegenüber unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsmodellen zu sein.

Kerstin Hoffmann-Wagner | www.hoffmannevent.de

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2 Gedanken zu “Kerstin Hoffmann-Wagner.. wann arbeitest Du eigentlich wieder?

  1. Kerstin, es wäre wünschenswert, daß das Thema „homeoffice“ irgendwann vielleicht einmal „durch“ ist! Das ja auch etwas mit Deinem Thema „Barrierefreiheit“ (halt in den Köpfen) zu tun, oder? 😉
    Ansonsten bist Du nun natürlich in einer anderen Lebensphase. Die Kinder sind größer und es geht bei Dir nicht mehr um den Wiedereinstieg ins Berufsleben nach einer Elternzeit. Also kommt vermutlich auch deswegen die Frage seltener auf. Aber tatsächlich würde mich sehr interessieren, was Mütter erleben, die als Selbstständige sich Elternzeit gönnen. Vermutlich steigen die generell schneller wieder ein ins Berufsleben. Die Grenzen sind dann halt „fließender“…. genau wie mit dem Homeoffice 😉

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  2. Mein Arbeitsplatz ist seit einiger Zeit mein ‚café office‘: Ich habe es Zuhause nicht geschafft, mich zu konzentrieren. Mal hat die Spülmaschine gepiepst, mal der Postbote geklingelt, und schwupps war der schönste Gedanke, der genialste Satz wieder verschwunden. Und irgendwie vermisste ich auch das ‚Großraum-Feeling‘ meines früheren Arbeitsplatzes.
    In meinem Café dagegen kann ich mich ganz hervorragend fokussieren. Wenn ich Töne abhöre, können gleichzeitig meine Augen entspannt über die anderen Gäste schwenken. Und dass Menschen um mich herum sitzen, hält mich davon ab, mich vor der Arbeit zu drücken und doch wieder auf facebook zu chatten.
    Abgesehen davon, dass ich es genieße, dass mir – kaum dass ich sitze – meine latte macchiato gebracht wird 😉

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