Im Gespräch mit Nicole Stroschein – Kinderbetreuung und Selbstständigkeit, wie passt das eigentlich zusammen?

  • Erzähle einfach mal über Dich, wie sieht Deine Familie aus?

Mein Name ist Nicole, ich bin 45 Jahre alt und lebe gemeinsam mit meinen Kinder (11 & 9) in einem kleinen Häuschen in einem Vorort von Hamburg. Der Vater der beiden lebt nicht mit im Haushalt. Wir sind seit etwa 7 Jahren getrennt, leben aber in der erweiterten Nachbarschaft und pflegen ein sehr harmonisches Miteinander.

  • Was ist Dein Beruf?

Ich bin freie Journalistin, arbeite für verschiedene große Zeitschriften und Verlagshäuser und auch für eine Reihe von Blogs. Darunter http://das-elternhandbuch.de und www.sweetpaul.de – meinen persönlichen Blog http://nicmag.de pflege ich zudem noch als erweitertes Hobby.

  • Wie viele Stunden arbeitest Du realistisch pro Tag?

Als Freiberuflerin kann ich das natürlich gar nicht so ganz genau sagen. Wenn ich grob überschlage, komme ich aber sicher auf eine Vollzeittätigkeit. Also 40 Stunden in der Woche. Sie verteilen sich aber nicht gleichmäßig. Es gibt Tage, an denen ich 8 Stunden in einer Redaktion verbringe und dann am Abend noch einen Text zuhause schreibe. An anderen Tagen lasse ich es tagsüber etwas ruhiger angehen und arbeite dafür abends noch. Natürlich arbeite ich auch am Wochenende. Die Übergänge sind fließend. Vieles, was definitiv als Arbeit zählt, fühlt sich für mich aber gar nicht so an. Social-Media-Postings für Blogs, die ich betreue zum Beispiel. Also: Realistisch sind ca. 8 Stunden Arbeit am Tag.

  • Trägst Du zum Familienunterhalt bei?

Die Frage beantwortet sich wohl von selbst. Ich trage nicht zum Unterhalt bei. Ich ernähre die Familie. Hinzu kommt aber der Unterhalt für die Kinder.

  • Mompreneurs wird oft vorgeworfen, ihre Tätigkeit sei nur Liebhaberei. Was steht für Dich an erster Stelle? Die Kinderbetreuung oder der Job?

Die Fragestellung finde ich etwas seltsam. Sie passt nicht so ganz zu meinen Lebensumständen. Es ist ja keine Frage der Vorliebe. Ich arbeite natürlich in erster Linie, um den Lebensunterhalt zu gewährleisten. Aber: Kinderbetreuung als Lebens(abschnitts)aufgabe ist auch für mich kein tagefüllender „Job“. Und mal ganz ehrlich: Nicht-berufstätige Frauen sagen doch auch nicht um 9.30 Uhr oder meinetwegen um 14 Uhr, wenn die größeren Kinder nach Hause kommen „so, dann bin ich jetzt mal Kinderbetreuer und widme mich zu 100 % der Erziehung der jungen Menschen.“ Sie waschen Wäsche, bereiten Mahlzeiten vor und zwischendurch schauen sie nach den Hausaufgaben oder fahren die Kinder zu Aktivitäten. Familienleben ist ein buntes Konstrukt. Eine Mischung aus Geldverdienen, Haushalt, Miteinander, Austausch und all dem, was bei den einzelnen Familienmitgliedern so ansteht. Die Erziehung oder meinetwegen das Fördern und Fordern der jungen Familienmitglieder geschieht auch nebenbei. Ich lebe ihnen meine Berufs- und Freizeitgestaltung vor und bin so hoffentlich ein bisschen Vorbild, ich erkläre ihnen etwas, z. B. während ich koche und so lernen sie von mir, dann wieder nehme ich mir Zeit, in denen sie mit ihren Anliegen im Mittelpunkt stehen. Aber ich widme mich nicht einer bestimmten Stundenzahl am Tag bewusst der Kinderbetreuung.

Wie regelst Du die Kinderbetreuung?

Beide Kinder gehen natürlich am Morgen in die Schule, während die Große bereits auf einer weiterführenden Schule ist und von dort zwischen 14 und 16 Uhr nach Hause kommt, geht ihr Bruder aktuell noch nach der Grundschule in den Hort und isst dort zu Mittag, dann kommt er um 14 Uhr nach Hause. Entweder bin ich dann auch dort, weil ich im Home Office arbeite. Oder die Kinder gehen zu ihrem Vater. Da wir beide selbstständig arbeiten ist es ganz einfach zu koordinieren. Zudem sind die Kinder in einem Alter, in dem sie schon mal 1 oder 2 Stunden allein zu Hause sein können und sich auch etwas zu essen zubereiten können. Die Abstimmung mit dem Vater der beiden läuft sehr unkompliziert. Meistens tauschen wir uns am Wochenende darüber aus, an welchen Tagen ich in der kommenden Woche ganztätig unterwegs bin, so dass er dann die Versorgung oder auch Betreuung übernimmt. Als die beiden noch kleiner waren, blieben sie teilweise bis 17 Uhr im Kindergarten oder später bis 16 Uhr im Hort. Aufgrund unserer Flexibilität und guten Absprache, gab es eigentlich nie ernsthafte Probleme. In seltenen Fällen haben auch mal andere Familienmitglieder oder Verabredungen mit Freunden geholfen, eine Lücke zu schließen. Wir haben ein gutes Netzwerk.

  • Was wünschst Du Dir?

Da ich unsere Situation als optimal empfinde, wünsche ich mir natürlich, dass alles so bleibt wie es ist. In früheren Jahren hätte ich mir manchmal etwas mehr Flexibilität von Seiten der sogenannten Betreuungseinrichtungen gewünscht. Also z. B. die Möglichkeit, nur 2 oder 3 Tage Nachmittagsbetreuung im Hort in Anspruch zu nehmen und auch zu bezahlen, wie es in anderen Einrichtungen ja teilweise möglich ist. Aber letztlich gab es nie ernsthafte Probleme.

Fazit: Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich Beruf und Familie so gut miteinander vereinbaren kann. Ich würde es auch nicht anders wollen, wenn ich mit dem Vater der Kinder noch zusammenleben würde. Ich liebe meinen Job und meine Kinder. Deshalb gab es nie die Option, nur eines von beidem zum Lebensmittelpunkt zu erheben, warum auch? Die bunte Mischung aus Arbeit und Privatleben kommt meinem Naturell sehr entgegen. Ich liebe Abwechslung und kann hervorragend zwischen einer Ladung Wäsche und einem Experten-Interview wechseln, um im nächsten Moment die Hausaufgaben meines Sohnes in Augenschein zu nehmen und dann etwas zu essen zuzubereiten.

das-elternhandbuch-logo

Vielen Dank für das Gespräch. 🙂

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