Im Gespräch mit Annika Wegener – Kinderbetreuung und Selbstständigkeit, wie passt das eigentlich zusammen?

 

  • Erzähle einfach mal über Dich, wie sieht Deine Familie aus?

Morgen, am 30.3. wird meine Tochter 2 Jahre alt. Genau so lang leben wir wieder in Deutschland, in Essen. Wir, das sind mein Mann, meine Tochter und ich. Zuvor lebten wir 5 Jahre in der Schweiz. Dort haben wir in unseren Jobs gutes Geld verdient, ein kleiner Luxus war durchaus möglich. Es stand aber immer fest: Kinder in der Schweiz? Nein!  Es sollte zurück in die alte Heimat gehen. Kinderbetreuung ist dort sehr teuer – das Gehalt geht fast drauf. Und es wurde erwartet, nach 6 Monaten Babypause wieder zu arbeiten. Das entsprach nicht unserer Vorstellung. Und wir wünschten uns die Großeltern in der Nähe: Für uns, für das Kind und für die Großeltern. Die Großelternpaare sind beide noch gesund und fit.  Sie wohnen beide mehr oder weniger in unserer Nähe

Und außerdem hatte ich keine Lust mehr auf meinen alten Bürojob in der Unternehmenskommunikation. Ich hatte Lust, etwas Eigenes zu starten. Das Kind war quasi die Möglichkeit, dies umzusetzen. Schon bevor das Kind in Planung war, besuchte ich einen Hochzeitsplaner Lehrgang. Also von langer Hand geplant.  Aber einfach so den Job hinzuwerfen ging auch nicht. Wenn man aber ein Kind hat, ist die Schwelle nicht ganz so hoch und eher akzeptiert. Komischer Grund vielleicht.
Mein Mann musste sich dann hier einen neuen Job suchen. Das hat ca. ein halbes Jahr gedauert und war nicht immer einfach. Sicher viel verlangt: Sicheren und gut bezahlten Job kündigen für eine ungewisse Zukunft mit Kind.

Ein weiteres Kind ist erstmal nicht geplant. Ich möchte mich auf mein Business konzentrieren und freue mich, wenn meine Kleine immer selbständiger wird

  • Was ist Dein Beruf?

Ich bin seit einem Jahr als Hochzeitsplanerin tätig. Das bedeutet, dass ich einerseits im Homeoffice arbeite, aber auch keine regelmäßigen Arbeitszeiten habe. Ich bin viel am Abend und am Wochenende unterwegs.
www.hochzeitstante.de

  • Wie viele Stunden arbeitest Du realistisch pro Tag?

mal 0, mal 10, mal 1… auch mal nachts.

  • Trägst Du zum Familienunterhalt bei?

Momentan nicht wirklich. Wobei alle Ausgaben für das Kind von mir getätigt werden. Ich habe erst vor einem Jahr gegründet und mein Business befindet sich im Aufbau

  • Mompreneurs wird oft vorgeworfen, ihre Tätigkeit sei nur Liebhaberei. Was steht für Dich an erster Stelle? Die Kinderbetreuung oder der Job?

Ohne Kinderbetreuung kann ich meinen Job nur teilweise ausführen. Homeoffice geht bedingt, Termine gegen nicht mit Kind. Zum Glück muss ich nur ein Kind „unterbringen“.
Mein Mann sieht es leider auch als Liebhaberei an. Es kommt der Vorwurf, das Kind für unwichtige Dinge abzugeben, für ein Hobby. Hobby deshalb, weil ja noch kein „großes Geld“ reinkommt.
Auf einen Kitaplatz mit 2 Jahren haben wir aber verzichtet. Das hätte zwar Geld gespart und weitere Freiräume geschaffen, aber wir sind der Meinung, dass es noch zu früh ist. Insofern wird das Wohl des Kindes meinem Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung übergeordnet.

  • Wie regelst Du die Kinderbetreuung?

Wir haben eine private Tagesmutter ganz in der Nähe, die auch zu unüblichen Zeiten, also auch am Abend, betreut. Auch kurzfristig. Ansonsten springen meine Eltern ein, die beide in Rente sind und ebenfalls in der Nähe wohnen. Wir sind extra aus der Schweiz wieder in die alte Heimat gezogen, um darauf zurückgreifen zu können. Am Abend passt dann oft auch mein Mann, der Papa auf. Leider kommt er oft erst spät aus dem Büro. Ist das Kind krank und kann nicht in die Betreuung, bleibe ich zuhause.

  • Was wünschst Du Dir?

Das Betreuungsgeld wäre schön gewesen, um eine private Betreuung besser finanzieren zu können. Leider wurde unser Antrag nicht mehr bearbeitet. Weiterhin würde ich mir eine zuverlässigere Kitaplatz-Planung wünschen. Wir wissen noch lange nicht, ob wir im nächsten Jahr einen Platz bekommen.
Ich wünsche mir von meinem Mann eine stärkere Anerkennung meiner Tätigkeit. Es ist weder Freizeit noch Hobby. Solange man zuhause arbeitet wird erwartet, dass der Haushalt ganz nebenbei miterledigt wird.
Für viele ist Homeoffice kein echter Job. Oft wird gefragt, wann ich wieder richtig arbeiten wolle.

Und manchmal glaube ich auch, dass es ein Makel ist, ein Kind zu haben. Nicht nur als Angestellte, sondern auch in der Dienstleistungsbranche. Man könnte ja ausfallen und was ist dann mit der Hochzeit? Ich versuche immer alles möglich zu machen, um nur keinen Termin wegen dem Kind absagen zu müssen. Aus Angst, man könnte deswegen als unzuverlässig gelten. Lieber schiebe ich einen anderen Grund vor. Denn oft sind die Kunden, also die Brautpaare, noch kinderlos. Hier fehlt, wie ich denke, oft das entsprechende Verständnis.

Hier wünsche ich mir von mir selbst einen selbstbewussteren Umgang damit.

Vielen Dank für das Gespräch. 🙂

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