Im Gespräch mit Melanie Schoog – Kinderbetreuung und Selbstständigkeit, wie passt das eigentlich zusammen?

  • Erzähle einfach mal über Dich, wie sieht Deine Familie aus?

Wir, das sind mein Mann, zwei kleine Töchter, eine Katze und ich. Wir stammen aus Köln und sind nach dem Studium nach Brüssel gezogen. Nach kurzen 3 Jahren in Deutschland wohnen wir nun seit letztem Jahr wieder dort, insgesamt sind wir nun schon im 5. Jahr im Ausland. Zu unserer Familie gehören auch die Großeltern, die sich im Wechsel sehr regelmäßig bei uns einquartieren und sich ganz zauberhaft um unsere Kinder kümmern. So gleicht unser Haus einem Bienennest, einer geht oder kommt immer.

  • Was ist Dein Beruf?

Ich arbeite als Qualitätsmanager und Unternehmensberater für Medizinprodukte. Mein Beruf ist es, gute von schlechten Produkten und Prozessen zu unterscheiden und die Qualität insgesamt kontinuierlich zu steigern.

Dazu versuche ich, als zweites Standbein Hygiene und Finanzworkshops aufzubauen. „Warum küssen besser als Hände schütteln ist“ – das wird mein neues Projekt. Am meisten freue ich mich, hierdurch auch mit anderen Selbstständigen, sowie kleineren Firmen zusammenarbeiten zu können.

  • Wie viele Stunden arbeitest Du realistisch pro Tag?

Ich arbeite von Montags bis Freitags, etwa 8 bis 9 Stunden täglich. Ich versuche dies genau einzuhalten, sodass ich zuhause wirklich „da“ sein kann.

  • Trägst Du zum Familienunterhalt bei?

Zu mindestens 50%, leider.  Nach der Geburt unserer zweiten Tochter hätte ich mir gewünscht, wir würden mein Einkommen nicht brauchen. Ich ging nach 8 Wocher wieder arbeiten, nach 4 Monaten war ich bereits zu 75% zurück im Job. Das hat ganz schön geschlaucht, alle Beteiligten. Auf der anderen Seite bin ich aber auch stolz, dass ich trotz der allgegenwärtigen Diskussion zur Bezahlung von Frauen nicht von mir behaupten kann, weniger zu verdienen als Männer in meinem Beruf.

  • Mompreneurs wird oft vorgeworfen, ihre Tätigkeit sei nur Liebhaberei. Was steht für Dich an erster Stelle? Die Kinderbetreuung oder der Job?

Kann man nicht beides haben? Für uns sind Kinder etwas Normales, Natürliches. Wenn man welche hat, müssen viele Dinge des alten Lebens zurückstecken. Unsere Arbeit jedoch sollte da einfach reinpassen, auch in die geänderten Bedingungen. Ich konnte nie lange zuhause sein, dass liegt mir nicht. Es gibt Dinge, die ich denke besser zu können als Hausfrau zu sein. Wenn die Kinder gut betreut sind und glücklich sind, ist mir mein Job sehr wichtig. Im Gegensatz dazu haben mein Mann und ich jedoch auch immer reagiert, wenn es nicht klappte. Wir haben Arbeitszeiten reduziert, den Arbeitgeber gewechselt, einen Babysitter gesucht…die Vereinbarkeit ist eine Idealvorstellung und die Instrumente müssen laufend angepasst werden – das ist unsere Erfahrung.

  • Wie regelst Du die Kinderbetreuung?

Die Grosse ist 5 und geht hier in die Schule (Belgien). Die Kleine ist 2,5 und geht noch in den Kindergarten, kommt aber im Sommer auch in die örtliche Schule. Die Betreuung ist sehr großzügig geregelt, zwischen 7.30 und 18 Uhr sind die Kinder betreut. Mein Mann regelt grundsätzlich morgens alles und bringt sie nach 8 Uhr in Ihre Gruppen, während ich ab 7 Uhr aus dem Haus bin. Nachmittags haben wir die Großeltern im Wechsel mit einer Babysitterin im Einsatz, die die Kinder um 15.30 abholen und zu Hause weiter betreuen bis ich gegen 17 Uhr nach Hause komme. Solange alle gesund sind und keine beruflichen Belange dazwischen kommen wie zuletzt die Terroranschläge, stimmt unser System. Unser Motto ist seit Jahren: „Immer einen Plan B in der Tasche haben“.

  • Was wünschst Du Dir?

Das ist leicht.

Mehr Zeit! Mehr Zeit für die Kinder, mehr Zeit für mich, mehr Zeit für Freunde…einfach für alles. Und:

Mehr Toleranz. Mein damaliger Chef hatte seine Frau 11 Jahre zu Hause, bei mir widerrum fragte er permament: „Wann steigen Sie endlich wieder voll ein?“ Die Geschäftswelt ist voll von Egomanen, ich wünsche mir mehr Toleranz für verschiedenste Lebensmodelle.

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Vielen Dank für das Gespräch.

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